Machen wir unsere Hautfarbe vielleicht wichtiger als
sie ist?
Diese Frage stellte sich Benedict im Blogeintrag
Einer von vielen.
Im selbigen kritisiert er Inhalte aus den
Vorbereitungsseminaren. Uns sei von Referenten und Rückkehrern vermittelt worden,
dass wir, aufgrund unserer Hautfarbe, besser behandelt werden würden und diese
relevant für viele Menschen in Indien und auf den Philippinen sei.
Benedict selbst stellt die These auf, dass man als
Gast und nicht als Weißer besser behandelt werden würde und begründet dies mit
unseren Erfahrungen der letzten zwei Monate.
Ich habe die gleichen Seminare absolviert, die
gleichen Erfahrungen gesammelt und komme trotzdem zu einem anderen Fazit.
Nein, wir machen unsere Hautfarbe nicht wichtiger
als sie ist.
Einer von vielen stützt sich nur auf Situationen, in
denen wir eingeladen wurden. Hier muss ich Benedict zustimmen. Wir wurden als
Gäste behandelt, ebenso wie unsere einheimischen Gefährten und bekamen keine
Extrawurst, die sie nicht auch bekommen hätten.
Aber ich erinnere mich auch an Erzählungen von
Rückkehrern, die in der gleichen Situation beispielsweise edleres Geschirr als
die anderen Gäste erhielten.
Die Sonderbehandlung aufgrund der Hautfarbe kommt
also vor. Dass wir sie im Kontext Essenseinladung noch nicht erlebt haben,
heißt nicht, dass sie nicht existiert.
Zudem gibt es zahlreiche andere Situationen, in
denen ich bemerke, dass unsere Hautfarbe leider doch Relevanz hat.
Mir haben schon mehrfach Menschen auf der Straße die
Hand geschüttelt oder uns zugerufen.
Am ersten Tag in Coimbatore rief ein Mann von der
anderen Straßenseite: „Welcome to India“
Auch Fotos wurden geschossen, sowohl auf Nachfrage
als auch heimlich. (Das bemerkt man natürlich trotzdem.)
Beim Friseur habe ich neulich deutlich weniger
gezahlt, als es üblich ist. Wieso? Ich war kein Gast, ich war ein Kunde.
Und das prägnanteste Beispiel ist vielleicht, was
uns in Coimbatore auf der Straße geschah. Simon, Benedict und ich waren das
erste Mal allein unterwegs und trafen auf eine Männergruppe, die mit Plakaten
und Spruchbändern ganz offensichtlich demonstrierte. Die waren ganz scharf auf
ein Foto mit uns. Ein Foto, auf dem auch ihre Forderungen und Transparente zu
sehen waren. Ein Foto als Aushängeschild. „Guck mal, die weißen Europäer
unterstützen unsere Forderung“
So kam mir das vor und genau deshalb habe ich mich
nicht mit dieser Gruppe fotografieren lassen.
Weiße Haut gilt als Schönheitsideal. Auf Fotos sind
die Menschen hellhäutiger, in Werbung und Filmen sieht man nur blassere Personen
und es kamen schon Kinder zu mir, strichen über meinen Arm und sagten: „Your
skin is so beutiful“
Natürlich gilt das nicht für jeden, es gilt nicht
immer, aber es ist doch bemerkbar.
Ich muss Benedict widersprechen.
Wir werden leider anders behandelt, weil wir weiß sind.

Das ist schon sehr interessant, wie unterschiedlich ihr beiden die Dinge erlebt.
AntwortenLöschenIch biete noch mal eine andere Variante an.
(Natürlich rein hypothetisch und ohne eigenes Erleben)
Ist es möglich, dass der Friseur dir weniger Geld abnimmt, weil er weiß oder vermutet, dass du ehrenamtlich arbeitest und er dir so seine Wertschätzung zeigen möchte?
Die weiße Haut kann ja auch einfach faszinierend wirken, weil "weiß" exotisch ist.
Bis vor einigen Jahren, war es in Deutschland auch erstrebenswert möglichst braun zu sein. Tausende von Touristen lagen an mallorquinischen Stränden bis die Haut Blasen schlug. Es war "in" genauso wie der Trend zu schneeweißen Zähnen. Das hat mit Sicherheit nichts mit Idealisierung, Wertschätzung oder Achtung afrikanischer oder anderer dunkelhäutigen Menschen zu tun. Und Bollywood setzt vermutlich auch Trends.
Just my thoughts....
Ich verbringe die nächsten beiden Tage mit einem indischen Kollegen aus New Delhi und werde ihn zu dem Thema mal befragen.
LG Burga
Ich kann dir hier nur zustimmen, wir fühlen uns auf der Straße auch manchmal wie Aliens, weil wir angestarrt werden oder uns Sachen zugerufen werden
AntwortenLöschen