Ein Viertel vorbei - Von Sekunden und Ewigkeiten



Ein Viertel unserer Zeit in Indien ist rum.

So, das isses. Und jetzt?
Jetzt ärgere ich mich, weil es meine Idee war, dass wir beide etwas zu diesem besonderen Anlass schreiben und mir zu spät auffällt, dass ich überhaupt nicht weiß, was ich schreiben soll.
Also ich weiß schon was, aber keine Ahnung welchen Teil davon. Weil alles, was mir zu diesem Datum durch den Kopf schwirrt ist zu viel, zu wirr und teilweise auch zu privat, um es in die Öffentlichkeit zu schmeißen.

Ich glaube am meisten beschäftigt mich die Zeit. Komisches Ding. Seit drei Jahren habe ich immer den gleichen Gedanken, der mich sehr fasziniert, obwohl ihn wahrscheinlich die meisten Menschen  in meinem Alter immer wieder haben.

Es passiert so schnell so viel, dass die Zeit zu verfliegen scheint und ehe man sich versieht sitzt man irgendwo in Indien an einem Schreibtisch und versucht zu beschreiben, was in einem vorgeht.
Ich weiß wirklich nicht, wo die Jahre hin sind.
Das Paradoxe ist, dass es mir trotzdem so vorkommt, als sei alles vor einem halben Leben passiert. Mein Abiball ferne Vergangenheit, mein Geburtstag eine schöne Erinnerung aus grauer Vorzeit. Und die Freundschaften, die ich in den letzten drei Jahren geschlossen habe, fühlen sich nicht frischer an als die, die schon mein ganzes Leben existieren.

Und wer es ein bisschen poetischer mag. Hier bitte, ein kurzes Zitat aus einer Mail, die ich vor einer Weile geschrieben habe:


„Die Zeit rennt. Der letzte Monat kam mir vor, wie eine Sekunde. Aber alles vor dieser Sekunde ist vor einer Ewigkeit geschehen und die Sekunde selbst, auch wenn sie so flüchtig erscheint, ist gefüllt mit Jahrzehnten“


So geht es mir mit diesem Viertel. 59 Tage.
Das ist ganz schön viel und ganz schön wenig und ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich davon halten soll.

Ich denke an diese Zeit zurück und ich erschrecke. So schnell ist sie vorbei und ich habe das Gefühl, morgen wieder zuhause zu sein.
Dann denke ich an meine letzten Tage in Hildesheim und ich erschrecke. Seitdem ist eine Ewigkeit vergangen.

Und ich weiß nicht, wovor ich mehr Angst habe. Dass die kommenden drei Viertel eine Sekunde sind, oder eine Ewigkeit.

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