Hubbelhorror



Ich befinde mich in einer viel zu überfüllten, schmuddeligen Kneipe, mit zerkratzten Tischen, in der der Zigarettenqualm steht. Von der Weinschorle in meiner Hand krieg ich vermutlich Kopfschmerzen, aber das stört mich nicht, denn all meine Freunde sind da und wir verbringen einen gemütlichen Abend miteinander. Aus den Lautsprechen dröhnt Ed Sheeran auf voller Lautstärke: „She played the fiddle in an Irish band, but she fell in love with an English man...”

Plötzlich hebe ich ab. Mein Gesäß schwebt gut dreißig Zentimeter über meinem Stuhl. Ich falle wieder nach unten und lege eine harte Landung hin. Abrupt wache ich aus meiner Gedankenwelt auf. Ich ziehe die Kopfhörer raus und schaue Oscar entsetzt an. Ed Sheeran dröhnt nicht mehr auf voller Lautstärke, sondern der Motor des Fernbusses.

Ich befinde mich nicht in einer Kneipe, sondern auf dem Rückweg von Mysore nach Hassan. Oscar und ich fahren zum ersten Mal Fernbus in Indien.
Wer sich jetzt einen High-Tech Flixbus vorstellt, liegt minimal falsch. Die Busse sind alt und eng. Auf der rechten Seite sind zwei Sitze je Reihe und auf der linken drei. Sowohl die Beinfreiheit als auch die Sitzbreite sind eindeutig nicht für jemanden meine Statur und Größe ausgelegt.
Das Schlimmste sind jedoch die Straßen, auf denen der Bus fährt. Wenn man sich in Deutschland über die vielen Baustellen beschwert, dann sollte man lieber dankbar sein, dass außerhalb der Baustellen die Straßen ziemlich gut sind. Hier kommt ein Schlagloch nach dem anderen, und um den Verkehr zu regulieren gibt es eher einen Hubbel, als eine Ampel.
Die Hubbel erfüllen auch ihren Zweck und verlangsamen den Verkehr, aber im Bus geht bei jedem Hubbel gefühlt die Welt unter.

Das hört sich jetzt alles ziemlich negativ an, aber das indische Busnetz ist wahnsinnig ausgebaut und nützlich. Man findet zwar im Internet keine Buszeiten, aber man kann davon ausgehen, dass zwischen allen größeren Städten ständig Busse pendeln. Oscar und ich haben bei all unseren Busfahrten immer höchstens 5 Minuten gewartet bis ein Bus da war, den wir nehmen konnten. Überraschenderweise gibt es dafür auch den Bedarf. Alle unsere Fahrten waren stets gut gefüllt. Meistens standen sogar noch Leute auf dem Gang, da sie keinen Sitzplatz mehr gefunden haben.

Eine 3-4 Stündige Fahrt kostet dabei nur umgerechnet knapp 2 Euro und mit Ed Sheeran an meiner Seite lässt es sich auch ganz gut aushalten.

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