Letzte Woche hatte ich schon einmal leichtes Fieber und seitdem Kopfschmerzen, die nicht weggingen. Vorgestern abend kam dann Übelkeit, stärkeres Fieber, Schüttelfrost und leichter Schwindel ins Spiel.
In Kombination mit einer alten Wunde aus Deutschland, die wieder aufgebrochen und angefangen hat zu eitern und zu schmerzen, reichte mir das.
Ich bin jetzt ganz offiziell krank.
Ich habe lange gehadert, wie ich damit umgehen soll. Es fällt mir schwer, mich zurückzunehmen. Ich muss immer daran denken, dass weder die Kinder, noch viele Mitarbeiter hier, die gleichen medizinischen Möglichkeiten in Anspruch nehmen können und ich will diese eigentlich nicht in Anspruch nehmen. Das fühlt sich nicht fair an.
Gleichzeitig ist man der Gast, der Freiwillige, dem es unbedingt gut gehen soll. Ich bin zum Früstück nicht aufgestanden und schon kommen fünf verschiedene Mitarbeiter, gucken, wie es dir geht und immer wieder die Frage, ob man ins Krankenhaus gehen will.
Bei den Kindern das gleiche. Die meisten starren einen an. "Sir, how is your health", fragen die Älteren und schauen besorgt. "Sir, hospital?", rufen die Kleineren.
Wenn du ins Auto steigst, weil noch organisatorische Dinge in der Stadt geklärt werden müssen, die nicht warten können, stehen zehn Leute daneben und fragen: "Hospital?" und du antwortest: "No, Police-Registration". Eine Stunde später kommst du zurück und wirst gefragt: "Sir, you were in Hospital?" und du antwortest: "No, Police-Registration".
Es ist rührend, wie sehr man sich um mich kümmert. Und es ist schön zu wissen, dass hier immer jemand für mich da ist, dass niemand mich als verwöhnten deutschen Typ sieht der nichts abkann.
Das Interesse und die Sorgen wirken echt und nicht nur wie ein Produkt der Höflichkeit.
Aber in Ruhe auskurieren kann man sich leider trotzdem nicht. Ich mag einen solchen Wirbel um mich nicht und die Besorgnis. Mir ist außerdem klar, dass man mehr als 1-2 Tage nicht offiziell krank sein kann, ohne dass man ins Krankenhaus gebracht wird, wobei ein Krankenhausaufenthalt hier eher einem Arztbesuch gleichkommt.
Gerade wenn man sich krank und schwach fühlt, wird einem außerdem klar, wie weit weg man von zuhause ist und dass man sich hier halt keinen Salbeitee machen und mit Zwieback den ganzen Tag vor den Fernseher in eine Decke kuscheln kann.
Und natürlich hat man immer im Hinterkopf, dass es da auch noch den Partner gibt.
Solange ich ausfalle, muss Benedict die Arbeit alleine machen, gleichzeitig allen möglichen Menschen erklären, warum ich auf dem Zimmer bleibe, sie davon abhalten, mich ins Krankenhaus bringen zu wollen und für ihn ist diese Situation wahrscheinlich genauso beschissen.
Aber es ist auch nicht alles schlecht. Ein paar Berichte über Krankheit, folgend auf unseren Blogeintrag Warum wir sterben werden...
Das dürfte das Interesse wecken und unserem Blog zusätzliche Leser verschaffen.
Das ist ja immerhin etwas.

Da läuft man nichtsahnend über nen Hof irgendwo in der Pampa und denkt bestimmt nicht daran, dass man noch so lange was davon hat... aber der Gedanke mit den mehr Lesern für den Blog... hätten wir für die Abizeitung mal auch so machen sollen :D
AntwortenLöschenDa war ich wohl zwei Mal inkompetent wie nichts :D
LöschenDas tut mir doll leid, dass du krank bist! :(
AntwortenLöschenIch verstehe gut, dass dir die Privilegien, die du in Anspruch nehmen könntest, unangenehm sind. Und du hast recht: Es ist unfair!
Die andere Seite ist, dass du vermutlich schneller wieder einsatzfähig wärst, wenn du zum Arzt gegen würdest und dein Partner hätte bald wieder deine komplette Unterstützung!
In diesem konkreten Fall gäbe es durch das Nutzen von Privilegien einen tripple-win!
(Du fühlst dich wohl. Die Kinder haben was von dir. Benedict ist entlastet)
Du bist kein verweichlichter, jammernder Europäer, wenn du alles tust, um schnell wieder gesund zu werden!
Ich würde dir gern einen Salbei Tee kochen, aber leider musst du dich mit einem
"Gute Besserung" begnügen.
Ganz liebe Grüße
Burga
Vielen Dank.
LöschenTatsächlich bin ich dann auch zum Arzt (Eintrag in den nächsten Tagen). Und der ganze Text ist, ehrlich gesagt, schon ein paar Tage alt.